Waldzustandserhebung 2019: schlechteste Werte seit 35 Jahren, mehrere Ursachen

Seit den 1980er-Jahren wird der Zustand der Wälder in der Bundesrepublik Deutschland untersucht und in der Waldzustandserhebung zusammengefasst. Hierfür werden jährlich in den Monaten Juli und August stichprobenartig zehntausende Bäume auf Indikatoren wie intakte Belaubung bzw. Benadelung untersucht.

Die Dürre in den Vegetationszeiten der beiden letzten Jahre hat zu einer deutlichen Verschlechterung des Kronenzustandes und einer außergewöhnlichen Erhöhung des Befalls mit Borkenkäfern geführt. So zeigen 2019 36% der Bäume eine deutliche Kronenverlichtung – die schlechtesten Werte seit Beginn der Erhebung vor 35 Jahren. Auch die Mortalitätsrate bei Laub- und Nadelbäumen hat stark zugenommen.

Die Waldwissenschaftlerin des Thünen-Instituts für Waldökosysteme, Dr. Nicole Wellbrock, sieht auch für 2020 keine Entspannung der Situation. Durch den milden Winter 2019/20 sei die Population der Schadinsekten auf hohem Niveau. Als Maßnahmen empfiehlt die Expertin konsequenten Klimaschutz, die Minderung von Stickstoffeinträgen aus Verkehr, Industrie und Landwirtschaft und nachhaltigen Waldumbau.

Eine weitere Ursache für den schlechten Zustand des Waldes ist auf versauerungsgefährdeten Standorten die übermäßige Versauerung der Waldböden. Nicht nur die Kronen sondern auch die Wurzeln der Bäume sind geschädigt. Dies ist bei der Ursachenfindung und –behebung zu beachten. Das durch Versauerung stark eingeschränkte Wurzelwachstum führt zu einer räumlichen Einschränkung von Nährstoff- und Wasserverfügbarkeit sowie verminderter Stressresistenz und Standfestigkeit. Bodenschutzkalkungen können helfen. Sie neutralisieren Säuren und stärken das natürliche Puffersystem der Böden. „Daher gehört die Waldkalkung unbedingt in das aktuelle Maßnahmenpaket zur Verbesserung der Waldsituation und in eine zukunftsorientierte Waldstrategie“, erklärt Dr. Reinhard Müller, Geschäftsleiter der Düngekalk-Hauptgemeinschaft (DHG), und fordert: „Bodenschutzkalkungen müssen – trotz vieler anderer aktueller Probleme – wieder verstärkt werden, um auf allen Standorten eine nachhaltige Waldbewirtschaftung und Holzproduktion zu gewährleisten.“  

Die Ergebnisse der Waldzustandserhebung 2019 können Sie auf der Homepage des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft herunterladen. 

(Foto: Thünen-Institut / Nadine Eickenscheidt)