Thüringer Forstbetrieb hilft dem gestressten Wald mit Naturkalk

In Thüringen wird nahe Pößneck ab Februar eine Waldkalkung durchgeführt, um die pH-Werte und die Basenausstattung der sehr stark versauerten Waldböden zu verbessern. Dadurch werden die Bäume vitaler, und sie können andere Stressfaktoren und den Klimawandel besser verkraften. Diese Maßnahme wird vom Land Thüringen finanziell wesentlich gefördert.

Im Februar 2021 verteilt ein Helikopter mittels Streukübel kohlensauren magnesiumhaltigen Kalk über einem Waldstück nördlich der Stadt Pößneck im Saale-Orla-Kreis. Bis zu 300 Tonnen Kalk streut der Hubschrauber pro Tag aus, um dem Waldsterben entgegenzuwirken, wie die Forstbetriebsgemeinschaft Dürrbachgrund mitteilt.

„Die Waldkalkung ist weiterhin notwendig, da viele Waldböden noch immer sehr stark versauert sind. Die Böden haben ein Langzeitgedächtnis. Jahrzehnte lang wurden Säuren aus Kraftwerken, Autoabgasen und Hausbrand über die Luft und den sauren Regen in den Böden angesammelt“, so Diplom-Forstingenieur Eike-Bernhard Siefarth.

Durch die in die Böden eingetragenen Säuren und Stickoxide zeigen die Bäume laut Siefarth äußerlich das Schadensbild von früh vergilbten Blättern und verlichteten Kronen. „Die Feinwurzeln werden geschädigt, die Bäume können dadurch schlechter Wasser und Nährstoffe aufnehmen und sind nicht mehr so gut im Waldboden verankert“, so Siefarth. Stürme und Trockenheit habe die Wälder zusätzlich geschädigt und in Stress versetzt.

Waldkalkung verbessere den Zustand des Waldbodens und der Bodenlebewesen, da die Durchlüftung und Durchwurzelung gefördert werden. Die Forstbetriebsgemeinschaft Dürrbachgrund nimmt daher die Fördermöglichkeiten des Landes Thüringen in Anspruch. Durch die Ausbringung von Kalk sollen die durch den Regen aus der Luft gewaschenen Säuren abgepuffert werden, um ein weiteres Fortschreiten in Richtung Grundwasser zu verhindern. Zudem sollen die Bäume wieder in die Lage versetzt werden, die Nährstoffe, die sie benötigen, aufzunehmen.

Dass Handlungsbedarf besteht, belegen mehrere Waldzustandsberichte der Bundesländer: Die Verlichtung der Baumkronen ist zum Teil heute schlimmer als in den 1980er Jahren. Daher wird neuerdings vom Waldsterben 2.0 gesprochen. Als Begründung werden vorrangigen der Klimawandel und die Trockenperioden genannt. Der wichtige negative Einfluss der Bodenversauerung wird oft vernachlässigt. Doch das Problem sollte im wahrsten Sinne des Wortes an der Wurzel und im Boden behoben werden.

(Quelle: Ostthüringer Zeitung)