Bodenschutzkalkungen in Sachsen sind Voraussetzung für den Waldumbau

Aktuell berichten viele Zeitungen (Sächsische Zeitung, Leipziger Volkszeitung) und Fernsehsender (MDR) von großflächigen Bodenschutzkalkungen in den Wäldern Sachsens. Diese sind notwendig, weil jahrzehntelange Säureeinträge aus der Luft die Waldböden bis in die Tiefe stark versauert haben. Vor allem Schwefeldioxid, aber auch andere  Luftschadstoffe wie Stickstoffverbindungen, haben die Bodenchemie verändert und zu einer tiefgründigen Versauerung geführt. Auch wenn heute fast kein Schwefeldioxid mehr aus der Luft eingetragen wird, wirkt die Bodenversauerung noch lange fort. Die Bodenschutzkalkung verhindert eine weitere Verschlechterung und ermöglicht die langsame Regeneration der Waldböden.

Mit der Bodenschutzkalkung bereiten wir den Boden für den Waldumbau mit Millionen junger Buchen, Weißtannen und Edellaubbäumen, denen wir günstige Startbedingungen bieten wollen“, erklärt der Geschäftsführer von Sachsenforst, Prof. Dr. Hubert Braun, und ergänzt: „Damit sichern wir den Waldumbau, unsere wichtigste Zukunftsinvestition in den sächsischen Staatswald.“

Die sächsischen Wälder müssen nach Einschätzung des Staatsbetriebes noch rund 40 Jahre lang gekalkt werden. Erst dann seien die Ziele der Bodenschutzkalkung (ein pH-Wert der Böden von 4,2 in einer Bodentiefe bis zu 30 Zentimeter sowie eine Nährstoffsättigung von 15 Prozent)  erreicht, sagt Referatsleiter Henning Andreae.

Bis Oktober werden nach Angaben des sächsischen Umweltministeriums rund 20.000 Tonnen Magnesiumkalk mit Hubschraubern verteilt. In diesem Jahr werden rund 6.600 Hektar vom Vogtland bis zum Osterzgebirge gekalkt. Mit den Bodenschutzkalkungen aus der Luft wurde in Sachsen schon 1986 begonnen. Seither sind rund 380.000 Hektar Staats- und Privatwald gekalkt worden, finanziert vom Freistaat Sachsen und mit EU-Mitteln.

Warum sind gerade die Waldböden in Sachsen so stark versauert?

Ein intensiver Erz- und Braunkohleabbau, die beginnende Industrialisierung und ein damit verbundener erhöhter Bedarf an dem Rohstoff Holz hatten dazu geführt, dass um 1800 vieler Wälder Sachsens gerodet und mit schnell wachsenden Nadelbäumen aufgeforstet wurden.

Nadelbäume wie die Fichte und Kiefer dominieren aus diesen Gründen auch heute noch die Waldbilder und sind regional, bedingt durch standörtliche und naturräumliche Voraussetzungen, unterschiedlich stark vertreten. Da bei der Zersetzung der Nadeln Säuren entstehen, wird der Boden an diesen Standorten auf natürliche Wiese zunehmend saurer. Damit verschlechtern sich die Lebensbedingungen für die Bodenorganismen, die ein saures Bodenmilieu tendenziell meiden.

Das Problem: Der Prozess einer moderaten natürlichen Versauerung der Waldböden wird seit Jahrzehnten durch den Eintrag von Säuren aus der Atmosphäre unnatürlich beschleunigt und übersteigt häufig die natürlichen Pufferkapazitäten vieler Waldstandorte.  Nadelwälder wie im Erzgebirge, Erzgebirgsvorland und dem Vogtland sind deshalb besonders stark von der Versauerung betroffen.

Wie lässt sich die Bodenversauerung messen?

Einer der entscheidenden Kennwerte zur Charakterisierung der Bodenversauerung ist neben dem pH-Wert die Basensättigung. Bodenproben in Sachsen haben ergeben, dass vor allem im Erzgebirgsbereich von den Hochlagen über die Hügellandstandorte bis in das Tiefland  geringe (5–15 %) und sehr geringe (<5%) Basenanteile und damit entsprechend geringe Boden-Elastizitäten vorliegen.

Als kritischer Wert hat sich eine Basensättigung von 15 Prozent erwiesen, bei dessen Unterschreitung ein signifikanter Anstieg toxischer Al3+-Ionen in der Bodenlösung zu erwarten ist. Sinkt die Basensättigung unter diesen Schwellenwert, so führt dies bei den relativ säuretoleranten einheimischen Baumarten wie Buche, Eiche, Tanne, Fichte und Kiefer zu Säurestress und zu einer Einschränkung der Nährstoffaufnahme.

Gibt es bereits erste messbare Erfolge?

Seit dem Jahr 1986 wurden in Sachsen jährlich durchschnittlich gut 12.000 ha ausgewählte Waldflächen gekalkt. Aktuelle Bodenproben bestätigen den Erfolg der Waldkalkungsmaßnahmen: „Wir können inzwischen belegen, dass die gezielte Gabe von natürlichem Magnesiumkalk der tief reichenden Bodenversauerung erfolgreich entgegenwirkt“, so Staatssekretär Herbert Wolff.

Dadurch können die stark belasteten Waldböden ihre wichtigen Filter-, Puffer- und Speicherfunktionen wieder besser ausüben. Im Ergebnis erhalten die Jungpflanzen, beispielsweise von Buche, Tanne oder Eiche, die für den Umbau in stabile, arten- und strukturreiche, leistungsfähige Mischwälder nötig sind, deutlich günstigere Startbedingungen.

(Quellen: Landesforstpräsidium Sachsen, Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft, Sachsenforst, forstpraxis.de)