Fakten für die Politik:

Deutschlands Wälder brauchen Hilfe

Die aktuellen Waldzustandsberichte sind alarmierend: In einigen Bundesländern ist die Zahl der geschädigten Bäume dreimal so hoch wie zur Waldsterbensdebatte vor 30 Jahren und in vielen Regionen sind die Waldböden in einem beklagenswerten Zustand. Woher kommen diese Probleme? Welche Auswirkungen sind in den nächsten Jahren zu erwarten? Welche Lösungen gibt es?

Nach dem ausgebliebenen "Waldsterben" sieht es so aus, als ob das Thema Bodenversauerung im Wald in der Öffentlichkeit und in der Politik kaum noch eine Rolle spielt. Weil das Thema aus den Medien verschwunden ist, gehen die Bürger und selbst einige Politiker davon aus, dass die Situation der Waldböden heute unproblematisch sei. Ein Trugschluss, denn die amtlichen Statistiken zeigen, dass die Säurebelastung vielerorts fortbesteht, die natürliche Neutralisationskapazität übersteigt und die Versauerung in tiefere Bodenschichten vordringt.

Waldzustandsberichte 2013: mehr kranke und geschädigte Bäume


Die Waldzustandsberichte der Bundesländer belegen, dass noch immer zirka ein Drittel der Waldböden deutliche Versauerungsschäden aufweisen. Schuld sind Stickoxide, Ammoniak und Schwefeldioxideinträge, die durch Industrie, Verkehr, Haushalte und Landwirtschaft verursacht werden und sich als Saurer Regen auf unsere Wälder niederschlagen. Der Eintrag dieser Säure-Äquivalente liegt längst über dem natürlichen Puffervermögen vieler Waldstandorte. Besonders besorgnisserregend ist die Lage aktuell in Nordrhein-Westfalen. Hier stehen heute dreimal so viele kranke Bäume, wie zu Beginn der Aufzeichnungen vor 30 Jahren.

Gesellschaftliche und wirtschaftliche Auswirkungen


Kranke Wälder sind gestörte Ökosysteme, die einen Großteil ihrer ursprünglichen Biodiversität verloren haben. Das ist schon tragisch genug. Aber auch für den Menschen, die Gesellschaft und die Wirtschaft bedeuten kranke Wälder und Böden unvorhersehbare Zukunftsrisiken:

Erosionsschutz
: Im Gebirge mit Steillagen aber auch in vielen Mittelgebirgen mit Hanglagen sind kranke Wälder mit stark versauerten Böden von Erosion bedroht, wenn die Bodenstruktur nicht mehr stabil ist.

Trinkwasser
: Der Großteil unserer Trinkwasserquellen und Grundwasserreservoirs liegt unter Waldflächen. Die Filterwirkung des Bodens, der die Reinheit des Wassers garantiert, funktioniert aber nicht mehr bei stark versauerten Böden mit pH-Werten von unter 4,2. Dann werden Aluminium, Mangan, Eisen und möglicherweise auch Schwermetalle verstärkt freigesetzt, die dann die Wasserqualität mindern.

Hochwasserschutz
: Aufgrund der Versauerung ist die Pufferkapazität vieler Böden in den letzten 50 Jahren um etwa 50 Prozent gesunken. Stark versauerte Böden bieten vielen Bodenorganismen aber keinen geeigneten Lebensraum mehr. Abfallende Nadeln und Blätter werden immer weniger abgebaut. Auf der Bodenoberfläche entsteht eine Schicht, die den Boden gewissermaßen versiegelt. Auf einer solchen Versieglungsschicht läuft das Wasser verstärkt oberirdisch ab.

Wasserversorgung der Wälder in Trockenzeiten: Das in den Boden eindringende Wasser wird in sehr stark versaurten Böden aufgrund verringerter mittelgroßer Bodenporen, die für die Wasserspeicherung im Boden entscheidend sind, vermindert gespeichert. Somit steht auch den Bäumen und übrigen Waldpflanzen in einer längeren Trockenphase weniger pflanzenverfügbares Wasser aus dem Boden zur Verfügung.

Zurückgehende Holzreserven
: Schon jetzt ist der Bedarf an Rohholz für die heimische Industrie aus deutschen Waldbeständen kaum noch zu decken. Die steigende Verwendung von Holz als Energieträger spitzt die Situation noch zu. Der hohe Anteil an kranken Waldbeständen ist also zugleich eine Gefahr für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Jetzt Handeln!

Die Waldzustandsberichte belegen, dass dringender Handlungs­bedarf besteht, um Waldböden und Wälder zu schützen. Dies sollte einerseits durch Minderung der Säure-Immissionen (Ursache) und anderseits durch Bodenschutz­kalkungen (Therapie) erfolgen. Letztere haben ihre positive und nachhaltige Wirkung wiederholt bewiesen.

In den letzten Jahren wurden in Deutschland lediglich circa 70.000 Hektar Wald gekalkt. Dies ist eindeutig zu wenig, wenn man weiß, dass über 30 Prozent der deutschen Waldfläche von 11.000.000 Hektar tiefgründig versauert ist. Die Probleme im Wald müssen deshalb heute gelöst werden und dürfen nicht auf die nachfolgenden Generationen abgeschoben werden.

Erhöhung der öffentlichen Fördermittel ist unerlässlich


Der Kalkungsbedarf der deutschen Wälder liegt bei ca. einer Million Tonnen Kalk pro Jahr. Die Menge, die in den letzten Jahren im Durchschnitt ausgebracht wurde, betrug jedoch lediglich 200.000 Tonnen. Einer der Hauptgründe dafür liegt in der Kürzung der öffentlichen Fördermittel für Waldkalkungen. Mit dem derzeitigen Umfang der Waldkalkungen ist jedoch keine vollständige Kompensierung der Altlasten und der neueren Säureeinträge möglich.

Um alle bedürftigen Wälder Deutschlands hinreichend durch eine effektive Kalkung zu schützen, wäre ein Finanzbedarf von 90 bis 100 Millionen Euro pro Jahr notwendig. Diesem Bedarf steht aktuell jedoch nur ein Födervolumen von höchstens 13 Millionen Euro gegenüber. Um die Gesundheit der Waldböden und Wälder langfristig zu erhalten, müssen die Fördergelder aus EU-, Bundes- und Landesmitteln deutlich erhöht werden.