Wald- und Bodenzustand

Ein gesunder Wald braucht einen gesunden Boden. Wie gut oder schlecht es um die Wälder und die Waldböden bestellt ist, wird in den Bodenzustandserhebungen, den Bundeswaldinventuren und in den jährlich erscheinenden Waldzustandsberichten beschrieben. Das derzeitige Ergebnis lautet: Seit den frühen neunziger Jahren hat sich der Zustand der Wälder zwar stabilisiert, aber nicht entscheidend verbessert. Ein Grund für kranke Wälder sind Säureemissionen und die durch sie versauerten Waldböden. In vielen Wäldern sind daher Bodenschutzkalkungen notwendig.

Die Schäden deutscher Wälder werden seit 1984 jährlich überprüft. An ausgewählten Bäumen werden die Kronenverlichtung und die Vergilbung von Nadeln und Blättern ermittelt (Waldzustandserhebungen). Die erhobenen Daten übermitteln die Bundesländer an das Institut für Waldökosysteme des von Thünen-Instituts, von dem sie ausgewertet und als „Waldzustandsberichte“ veröffentlicht werden.

Die ursprünglich „Waldschadensberichte“ genannten Inventuren haben gezeigt: Seit Beginn der Untersuchungen in den 1980ern ist noch keine Trendwende beim Zustand des deutschen Waldes in Sicht. Nach wie vor ist die Situation des Waldes bedenklich.

Wichtigste Gefahrenquelle: Schadstoffemissionen


Für den bedenklichen Zustand in vielen Wäldern sind unterschiedliche Faktoren verantwortlich. Dazu gehören Trockenheit, Sturm, Schneebruch und Frost, Nährstoffmangel, Schädlingsbefall und Wildverbiss. Die größte Gefahr für den Wald kommt jedoch nach wie vor aus der Luft. Zwar konnten Stickoxide, Schwefeldioxid und Ammoniak in den vergangenen vier Jahrzehnten deutlich verringert werden, doch für das Ökosystem Wald sind die aktuellen Emissionswerte immer noch zu hoch. Die Säurebelastung der Waldböden liegt in der Regel immer noch über dem natürlichen Puffervermögen vieler Standorte. Außerdem haben die Waldböden das giftige Erbe der Vergangenheit konserviert. Denn durch die seit der Mitte des 19. Jahrhunderts andauernden Emissionen versauerten vielerorts die Böden dermaßen, dass sie den Großteil ihrer Nährstoffe verloren. Die Selbstregulation der Waldböden ist daher in vielen Regionen nicht mehr gegeben. Um das hohe Risiko einer weiteren Bodenversauerung zu vermeiden, sind dort Bodenschutzkalkungen notwendig.

Aktueller Zustand der Waldböden


Um die Rolle des Bodens im Zusammenhang mit den Emissionsbelastungen der Waldökosysteme regional differenzieren zu können, wurde 1987 bis 1993 eine bundesweite Bodenzustandserhebung im Wald (BZE I) durchgeführt. Dies geschah in Ergänzung zur jährlichen Waldzustandserhebung. Die Ergebnisse waren damals in fast allen Regionen der Bundesrepublik sehr ernüchternd.

Eine zweite BZE, die im Jahr 2010 abgeschlossen wurde, soll aktuelle Vergleichswerte liefern. Für die gesamte Bundesrepublik liegen derzeit noch keine abschließenden BZE-II-Ergebnisse vor, aber dafür schon für einige Regionen und Bundesländer, wie z. B. in Niedersachsen. Dort hat die hohe Säurebelastung in der Vergangenheit zu einer tiefgründigen Versauerung der Waldböden geführt, wie die BZE I feststellte. Daran hat sich zumindest für die unteren Bodenschichten auch laut den Ergebnissen der BZE II nichts geändert. Die Mehrzahl der Waldstandorte Niedersachsens weisen geringe pH-Werte sowie eine geringe Basensättigung und damit Kennzeichen einer erheblichen Bodenversauerung bis in tiefere Bodenschichten auf. Auf 64 Prozent der Waldfläche liegt die Basensättigung im Hauptwurzelraum von 10 bis 30 cm Tiefe unter 20 Prozent. Dabei ist nicht nur die Auswaschung von Nährstoffen, sondern auch die starke Zunahme von Aluminium in der Bodenlösung für die Wurzeln der Bäume als kritisch anzusehen.

Gegenüber der ersten BZE ergab die Wiederholungsinventur im Rahmen der BZE II für die oberen Bodenschichten jedoch eine deutliche Verbesserung des Bodenzustandes. In der Bodenschicht von 0 bis 5 cm Tiefe lagen nur noch 15 statt 56 Prozent und in der Bodenschicht 5 bis 10 cm nur 45 statt 72 Prozent aller Standorte unter 20 Prozent Basensättigung. Dies, so das Umweltministerium Niedersachsens, ist auf den positiven Einfluss der seit den 80er Jahren durchgeführten Waldkalkungen und den Rückgang der Säurebelastung zurückzuführen. Diese Erholung konzentriert sich allerdings auf den Oberboden. In Bodenschichten ab 10 cm Tiefe ist der Effekt geringer.